Ausgabe 11/2010 - Der richtige Schutz für Solaranlagen
Solarenergie boomt. Damit tun sich für Vermittler neue Vertriebschancen auf. Worauf es bei der richtigen Absicherung ankommt
Fotovoltaikanlagen liegen in Deutschland voll im Trend: Die Zahl der errichteten Solarkraftwerke hat sich 2009 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Insgesamt wurden Anlagen mit einer Leistung von mindestens 3806 Megawatt ans Netz angeschlossen. 2008 waren es nur 1933 Megawatt. Dabei dominiert der Süden: Mit einem Anteil von 39 Prozent wurde die meiste Solarleistung in Bayern installiert, gefolgt von Baden-Württemberg. Aber auch Hausbesitzer in Nordrhein- Westfalen und Niedersachsen haben bereits vielfach Solaranlagen auf ihren Dächern angebracht (s. Grafik). Für Makler und Vermittler ergeben sich daraus vor allem in diesen Regionen neue Vertriebschancen, denn mit der Fotovoltaikversicherung gewinnt ein neues Versicherungsprodukt immer mehr an Bedeutung.
Absicherung wie fürs Auto. Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach kostet oft mehr als das Auto in der Garage. Deshalb sollte sie auch so abgesichert sein – nämlich umfassend. Zwar arbeiten die Anlagen viele Jahre wartungsfrei, aber Störungen und Schäden bis hin zum Diebstahl sind nicht ausgeschlossen. Zum eigentlichen Schaden kommt dann der Ertragsausfall, wenn kein Strom mehr produziert werden kann. Wer umfassend für diese Schäden abgesichert sein will, benötigt eine Fotovoltaikversicherung.
Zweite Wahl. Verdeutlichen Sie Ihren Kunden, dass die Einbindung der Anlage in die verbundene Wohngebäudeversicherung nur zweite Wahl ist. Das ist so, als würde der Kunde bei einem Neuwagen auf die Kaskoversicherung verzichten. Die Solarzellen auf dem Dach lassen sich zwar in der Regel im Rahmen der verbundenen Wohngebäudeversicherung über eine Aufstockung der Versicherungssumme mitversichern, doch der Versicherungsschutz bleibt meist lückenhaft, weil die verbundene Wohngebäudeversicherung nur für Schäden aufkommt, die durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel entstanden sind. Damit der Schutz greift, muss die Versicherung von der Neuinstallation und über den Wert der Anlage informiert werden und eine schriftliche Deckungszusage erteilen.
Inklusive ohne Zuschlag. Bei einigen neueren Komfort- Tarifen ist der Schutz sogar ohne Zuschlag inklusive. Besonders weitreichend ist der Tarif KomfortPlus der Generali. Anlagen bis 20 kWp (Kilo-Watt-Peak = mögliche Spitzenleistung) sind einschließlich eines Ertragsausfalls zuschlagsfrei mitversichert. Bei Janitos gibt es im Tarif Best Selection eine Mitversicherung ohne Wertbegrenzung. Domcura bietet eine automatische Mitversicherung zum Neuwert. Bis 10 000 Euro Anlagenwert bieten die Ostangler Versicherungen eine beitragsfreie Mitversicherung. Bei größeren Objekten wird der Anlagenwert zum Gebäudewert addiert und entsprechend versichert. Doch für einen umfassenden Schutz wäre bei der Ostangler noch eine Elektronikversicherung notwendig, die mindestens 100 Euro kostet.
Schutz vor vielen Gefahren. Im Unterschied zur Wohngebäudeversicherung beruht eine Fotovoltaikversicherung auf den Allgemeinen Bedingungen zur Elektronikversicherung. Wichtigster Pluspunkt: Mit der Allgefahrendeckung sind deutlich mehr Schadenursachen versichert als bei der Gebäudeversicherung. Die Fotovoltaikversicherung deckt unter anderem auch Raub, Diebstahl, Vandalismus, Bedienungsfehler, Tierverbiss, Schneedruck und Fahrlässigkeit ab. So können Marder Kabel annagen und Kurzschlüsse verursachen. Schneemassen auf dem Dach können die Module aus den Halterungen drücken und erheblich beschädigen. Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind lediglich Schäden durch Vorsatz, Kernenergie, Kriege, Erdbeben und durch betriebsbedingte Abnutzung.
Der Versicherungsschutz umfasst alle Bestandteile der Anlage von den Modulen über die Tragekonstruktion bis zum Einspeise- und Erzeugerzähler. Angesichts der Installationskosten von 30 000 Euro und mehr ist das durchaus empfehlenswert. Bei Versicherungen für kleine Anlagen ist ohne Aufpreis eine Ertragsausfallversicherung mit eingeschlossen. Die Ausfallentschädigung pro Tag orientiert sich an der Anlagenleistung (kWp) und mitunter auch an der Jahreszeit des Ausfalls wie bei der Axa. Die Helvetia zum Beispiel zahlt für die Anlage mit 45 kWp drei Monate lang 90 Euro Entschädigung pro Tag (siehe Tabelle). Das macht sich im Ernstfall bezahlt!
Geringe Mehrkosten. Machen Sie Ihren Kunden im Beratungsgespräch klar, dass sie mit der separaten Fotovoltaikversicherung also einen deutlich besseren Schutz erwerben – und das bei nur geringfügig höheren Ausgaben. Die Mehrkosten im Vergleich zur Einbeziehung in die Wohngebäudeversicherung liegen bei rund 15 bis 20 Euro im Jahr.
Argumente gibt es also genug.
Übrigens: Auch wer eine separate Fotovoltaikversicherung abschließt, muss seine Wohngebäudeversicherung über die Installation der Anlage informieren.
Haftpflicht für Betreiber. Fegt der Sturm ein Solarmodul vom Dach und zerstört den Wintergarten des Nachbarn, haftet der Hauseigentümer. Das gilt auch, wenn der Dachdecker bei Dacharbeiten durch einen Stromschlag verletzt wird. Die Privathaftpflichtversicherung hilft hier nicht, denn mit einer Fotovoltaikanlage betreiben Ihre Kunden ein Gewerbe. Deshalb ist eine Betreiberhaftpflichtversicherung Pflicht. Das gilt auch, wenn die Anlage auf einem gemieteten Dach betrieben wird. Fehlfunktionen der Anlage – etwa durch Blitzschlag – können das öffentliche Energienetz schädigen. Auch die Regressansprüche des Energieversorgers sind mit einer solchen Police abgedeckt.
Günstige Prämien. Solche Haftpflichtversicherungen gibt es ab 45 Euro im Jahr (VHV). Für eine größere Anlage mit 45 kWp werden bei der VHV 80 Euro im Jahr fällig. Die Deckungssumme beträgt fünf Millionen Euro, die Selbstbeteiligung liegt im Schadenfall bei 250 Euro. Günstiger ist das Angebot der Condor für die größere Anlage. Die Absicherung kostet den Betreiber lediglich 48 Euro im Jahr, ebenfalls bei einer Deckungssumme von fünf Millionen Euro und einer Selbstbeteiligung von 250 Euro im Schadenfall.
Fotovoltaikversicherungen kosten ab 70 Euro im Jahr – ebenfalls mit Selbstbeteiligung. Auch hier gibt es große Preisunterschiede zwischen den Anbietern. Die Beiträge können steuerlich geltend gemacht werden.
Bodenanlagen. Sehr große Anlagen sind meist am Boden errichtet. Wer Versicherer für Bodenanlagen sucht, sollte auch Angebote von R + V, Mannheimer und Gothaer einholen. In unserem Vergleich erstklassiger Tarife, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, bietet nur die Helvetia eine Bodenanlagen-Versicherung an.
Ein Fall für Wohngebäudepolicen. Solarthermieanlagen, die zur Warmwassererzeugung und zur Heizungsunterstützung dienen, können nicht mit einer Fotovoltaikversicherung abgesichert werden. Die Condor bietet eine spezielle Solarthermieversicherung ab 50 Euro mit einer Selbstbeteiligung von 100 Euro an. Diese Allgefahrenversicherung ist umfassender, als wenn die Solarthermieanlage mit in die Wohngebäudeversicherung einbezogen wird. Im Unterschied zur Fotovoltaikanlage würde das hier aber in der Regel reichen.

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Quelle: Focus Money-Versicherungsprofi Ausgabe 11/2010
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